Arbeit und
Arbeitsplätze

Schon in den vergangenen Jahren hat der digitale Wandel die Arbeit und die Arbeitsorganisation massiv verändert. Viele Menschen arbeiten inzwischen digital, während ihre ursprüngliche Ausbildung sie nicht auf die technischen Innovationen vorbereitet hat. Auch in Zukunft wird der digitale Wandel die Struktur der Arbeit verändern. Deshalb ist es notwendig, diese Veränderungen zu begleiten und zu gestalten. Die sich verändernden Bedingungen in der Arbeitswelt erfordern eine laufende Evaluierung und eine vorausschauende Anpassung des bestehenden rechtlichen Rahmens sowie der Finanzierungsquellen des sozialen Sicherungssystems. Es gilt nun, Lösungen zu finden, die gesellschaftliche wie wirtschaftliche Bedürfnisse gleichermaßen berücksichtigen und Arbeitsplätze erhalten und schaffen. Die Potenziale der Digitalisierung sollen identifiziert und gleichzeitig soll die digitale Kompetenz der BürgerInnen gestärkt werden. Alle am Wertschöpfungsprozess beteiligten gesellschaftlichen Gruppen sollen an den Vorteilen der Digitalisierung teilhaben können.

Qualifizierung

Die Digitalisierung verändert Arbeitsinhalte und Kompetenzanforderungen, wobei neue Technologien nicht ganze Arbeitsplätze, sondern meist nur gewisse Tätigkeiten verändern. Der Trend zur Höherqualifikation wird sich verfestigen. Daher muss die (Re-)Qualifizierung der Beschäftigten für die neuen Anforderungen in der beruflichen Aus- und Weiterbildung im Vordergrund stehen. Ziel ist, Menschen auch im zweiten Bildungsweg bei der Weiter- und Höherqualifizierung zu unterstützen. Der hohe Bedarf an Weiterbildung und Umschulung für fachliche Kompetenzen, begründet durch die steigenden Anforderungen auf allen Qualifikationsstufen, bedarf moderner Rahmen­bedingungen. Die Arbeitsmarktpolitik muss Arbeitssuchende und Erwerbstätige dabei unterstützen, mit den sich dynamisch verändernden Anforderungen zurechtzukommen.

Maßnahmen

  • Förderung von Online-(Berufs-)Weiterbildungskursen zur Vermittlung digitaler Kompetenzen sowie von Umschulungen, die sich an den konkreten Bedürfnissen des Arbeitsmarkts orientieren
  • Höherqualifizierung als Schlüssel für neue Kompetenzanforderungen: Ausbildungspflicht bis 18 Jahre, damit jeder junge Mensch eine höhere Ausbildung als die Pflichtschule erhält. Die Ausbildungsgarantie bis 25 Jahre ab 2017 ist eine weitere zentrale Maßnahme in diesem Bereich.
  • Mit der Wiedereinführung des Fachkräfte­stipendiums ab 2017, der Ausweitung der Arbeitsplatznahen Qualifizierung (AQUA) sowie der verstärkten Förderung und Unterstützung der betrieblichen Weiterbildung (insbesondere betriebliche Impulsprogramme) werden attraktive Nachqualifizierungsangebote geschaffen.
  • Weiterentwicklung des Anerkennungsgesetzes, um nonformal und informell erworbene Kompetenzen anerkennen zu können
  • Um die Menschen besser bei der Planung ihrer Erwerbskarriere und den damit verbundenen Qualifizierungserfordernissen zu unterstützen, soll die Berufs- und Bildungsberatung weiter verstärkt werden.
  • Durch mehr Information über technische Ausbildungen und attraktive Angebote soll der Frauenanteil in den Berufsfeldern der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) erhöht werden.

Neue Arbeitsmodelle & Arbeitsmarktpolitik

Die Digitalisierung ermöglicht neue Arbeitsmodelle und Beschäftigungsformen. Diese sollen zu höheren Einkommen, mehr Effizienz und Flexibilität sowie einer größeren Zufriedenheit der MitarbeiterInnen beitragen. Zentrales Ziel bleibt, die Beschäftigung insgesamt zu steigern und die Arbeitslosigkeit zu senken. Je nach Art der konkreten Beschäftigung müssen zeitgemäße Rahmenbedingungen gelten, wobei auch für neue Formen der Beschäftigung die arbeits- und sozialrechtlichen Mindeststandards einschließlich kollektiver Mitbestimmung gelten müssen. Die rechtssichere Abgrenzung zwischen selbstständiger und unselbstständiger Tätigkeit wird dabei zunehmend wichtig. Daher ist es notwendig, die sich verändernden Bedingungen der Arbeitswelt laufend zu evaluieren und den rechtlichen Rahmen vorausschauend auszubauen und weiter­zuentwickeln.

Moderne IKT-Technologien können zur Steigerung der Arbeitseffizienz beitragen und die interne Zusammenarbeit verbessern. Das Zusammenspiel des Erfahrungswissens von Beschäftigten und ihrer Reflexions- und Anpassungsfähigkeit erleichtert die nachhaltige und sinnvolle Implementierung von digitalen Prozessen. Das hohe Niveau an Mitbestimmung durch die ArbeitnehmerInnen in Österreich soll auch bei neuen Beschäftigungs­formen erhalten bleiben.

 

 

Auch die Arbeitsvermittlung wird zunehmend digitalisiert und neue Vermittlungsplattformen kommen hinzu. Dies erfordert auch eine Anpassung der öffentlichen Arbeitsmarkteinrichtungen, damit neben privaten Anbietern eine öffentlich kontrollierte Alternative gewährleistet ist.

Maßnahmen

  • Beachtung der Grenzen zwischen Privat- und Arbeitsleben
  • Sicherstellen der sozialen Absicherung einschließlich der (kollektiven) Mitbestimmung, auch bei neuen Formen der Beschäftigung
  • Berücksichtigung des Beschäftigtendaten­schutzes bei der Umsetzung der europäischen Datenschutz-Grundverordnung
  • Zeitgerechte Einbindung der Belegschaft in Innovations- und Digitalisierungsprozesse
  • Initiierung von Dialogen und Beratungen, nicht nur auf betrieblicher, sondern auch auf Branchenebene